Der internationale Kongress zur Zukunft der Kunststoffentwicklung „Biopolymer Processing & Moulding“ in Halle hat für unseren Themenmanager Matthias Rechel interessante Eindrücke und Impulse gebracht. Wie eine Kreislaufwirtschaft insbesondere für die Automobilindustrie in Niedersachsen auf- und ausgebaut werden kann und wie Kunststoffe statt aus fossilen Rohstoffen künftig mit anderen Materialien hergestellt werden kann, ist aktuell Schwerpunktthema der Niedersachsen.next Automotive Agentur. 

Beim dem Biopolymer Processing & Moulding-Kongress mit Vorträgen und Keynotes und einer Hausmesse, auf der sich Innovatoren im Bereich Biopolymere mit den Besucher:innen austauschen können, wird regelmäßig der „BIOPOLYMER Innovation Award“ verliehen, gestiftet von POLYKUM e. V., der Fördergemeinschaft für Polymerentwicklung und Kunststofftechnik in Mitteldeutschland. Ziel dieses Preises ist es, die Sichtbarkeit von Innovationen im Bereich Biopolymere zu erhöhen. Die Bewerbungen für das nächste Jahr sind bereits offen. Es werden wegweisende Anwendungen, Produkte oder Technologien im Kontext biobasiert, biologische abbaubare Kunststoffe ausgezeichnet.

Neben Vorträgen gab es beim Biopolymer Processing & Moulding Kongress eine Hausmesse, bei der innovative Ansätze für biobasierte Rohstoffe gezeigt wurden.

Ausgezeichnt wurde in diesem Jahr der Fertigungsansatz von (FILK Freiberg Institute gGmbH), ein mehrlagiges Kunstledermaterial, aus nur einem biobasierten Kunststoff herzustellen. Das Unternehmen Model Group hat einen innovativen Ansatz einer rein papierbasierten Verpackung präsentiert. Hier wird die EPS-Einlage durch Papier ersetzt. Der Clou ist, dass sich die papierbasierten Formeinlagen auf denselben Maschinen herstellen lassen, auf denen heute die EPS-Einlagen hergestellt werden. Ein wichtiger Beitrag zu sortenreinen Verpackungen.

Neben den Polylactiden (PLA), die sowohl biobasiert als auch biologisch abbaubar sind, gab es auf der Konferenz 2025 einen Konsens bezüglich des Zukunftspotenzials der Polybutylsuccinate (PBS). Diese sind zwar nicht biobasiert, aber sehr gut biologisch abbaubar. Insbesondere in für Anwendungen im Agrarbereich ist die schnelle Abbaubarkeit ein Thema. Das junge Unternehmen Exipnos GmbH arbeitet an einem Prozess, durch den die Geschwindigkeit der Abbaubarkeit eingestellt werden kann. Eine Herausforderung beim Erfassen der Abbaubarkeit ist die Frage, in welcher Umgebung und bei welchen Einflussfaktoren die Abbaubarkeit gemessen wird.

Die Jury des Biopolymere Innovation Award war besonders von einem mehrlagigen Kunstledermaterial aus nur einem biobasierten Kunststoff begeistert.

Einige der Akteur:innen haben sich bereits kurze Zeit später beim gemeinsamen Workshop der Niedersachsen.next Automotive Agentur und der Hochschule Osnabrück wiedergetroffen. Im Projekt CISC – Cross Industrial Supply Chain geht es darum, unternehmensübergreifend Innovationen zu entwickeln, sowohl im Kontext der Biopolymere als auch für den Einsatz von Rezyklaten im Bereich Automotive. Erste Ergebnisse werden bei der diesjährigen Jahresnetzwerkveranstaltung am 4. November in Hannover vorgestellt.