Cross Market Places GmbH

Strom tanken und Kaffee bestellen: Smart vernetzt in die Zukunft

Die achtundzwanzigtausendste App wollten sie keinesfalls programmieren. Das kam für die Gründer und Geschäftsführer von Cross Market Places (CMP) aus Osnabrück nicht in Frage. Das Konzept von Carsten Müller und Kai Schwermann setzt vielmehr zwischen den vorhandenen, digitalen Anwendungen an und verbindet das, was die Kundschaft schon kennt – mit dem Effekt, E-Mobilität attraktiver zu machen und Innenstädte zu beleben.

Keiner fährt nur zum Parken in die Stadt, sondern möchte dort etwas erledigen oder erleben. Warum nicht die Ladesäule mit dem Bestellsystem des Coffeeshops am Ausgang des Parkhauses verbinden? Sodass der Kaffee gleich mitgenommen werden kann. Warum nicht gleich auch noch eine Karte fürs Kino oder den Zoo verkaufen? Sodass keine lange Wartezeit am Eingang entsteht.

Gesagt getan: Seine ersten Projekte setzte das Unternehmen in den USA und in Baden-Württemberg um. In San Francisco gibt es den Deal: Rabatt beim Parken und Kaffeebestellung in einem. Wer in Stuttgart über eine bestimmte Spur auf die Parkfläche fährt, bekommt automatisch eine Tageskarte für den öffentlichen Personennahverkehr. CMP sorgt für die Verknüpfung der Bezahlsysteme und die Verrechnung untereinander – ohne neue Plattform, die erst etabliert werden muss.

Kai Schwermann und Carsten Müller präsentieren auf einem Messestand ein Modell einer smarten City.
Präsentierten ihr Smart-City-Modell mit vernetzten Bestell- und Bezahlsystemen auf dem Niedersachsen Gemeinschaftsstand auf der Internationalen Zuliefererbörse 2022 in Wolfsburg: Kai Schwermann (links) und Carsten Müller (rechts).

Für niedersächsische Kommunen auf dem Weg zur Smart City gibt es ebenfalls bereits entsprechende Gespräche: Auch hier ist die Idee dabei, Menschen mit dem E-Auto in die Stadt zu locken, indem sie zum Beispiel beim Laden ein paar Kilowatt geschenkt bekommen und auf dem Marktplatz Kaffee und Kuchen gleich für sie reserviert wird.

„Wir schauen individuell, wo ist der Mehrwert für die Nutzerinnen und Nutzer und verbinden bestehende Angebote. Wenn es eine App schon gibt, dann entwickeln wir nicht die 28.000 neue App, sondern nehmen diese und hängen unseren Service dran. Oder wenn es eine Parkkarte schon gibt, dann nehmen wir auch die und verbinden sie beispielsweise mit dem Kauf von Eintrittskarten“, erläutert Geschäftsführer Carsten Müller.

Auf diese Art und Weise lässt sich auch eine multimodale Mobilität sicherstellen und vereinfachen. E-Scooter, ÖPNV, Strom tanken, Parken o.ä. miteinander verknüpfen, in das System des Mobilitätsanbieters das integrieren, was das Parkhaus kann oder mit der Parkkarte auch E-Roller mieten – das ist das Serviceprinzip von Cross Market Places. Der Vorteil, den das Startup hat: Die Mutterfirma bill-X, aus der heraus es gegründet wurde, versorgt bereits viele verschiedene Kunden mit Software-Lösungen. Die Basiskomponenten sind vorhanden. CMP geht gezielt auf die Kunden ein, um deren jeweiligen Dienste zu kombinieren.

Eine große Zielgruppe für solche vernetzte Abrechnungen sind Stadtwerke und Energieversorger, die nicht nur Strom an Haushalte verkaufen, sondern auch öffentliche Ladesäulen und eventuell kommunale Einrichtungen wie den ÖPNV oder ein Schwimmbad betreiben. CMP vereint die in Anspruch genommenen Leistungen – verbrauchsabhängig – auf einer Rechnung. Künftig soll dabei auch noch die jeweilige Verfügbarkeit von grünem Strom integriert und „intelligentes“ Laden außerhalb der Peak-Zeiten belohnt werden können.

 Smart Mobility, Smart City, E-Mobilität



Gründungsjahr: 2015
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: Ca. 30 (CMP + bill-X gemeinsam)


Cross Market Places GmbH
Liebigstrasse 29
49074 Osnabrück

info@cross-market-places.de
https://www.cross-market-places.de/


Wir schließen Lücken auf Endkundenprodukt-Ebene. Egal, welche Plattformen jemand hat, wir verbinden das. So entwickeln wir Digitalisierung für eine nachhaltige Mobilität und eine sinnvolle Energienutzung“. 

Portraitfoto von Carsten Müller, Geschäftsführer von Cross Market Places
Carsten Müller, Geschäftsführer von Cross Market Places

Drei Fragen an: Carsten Müller

Was war Ihre „Schlüsselerkenntnis“, die dazu geführt hat, Ihr Startup zu gründen?

Müller: Die Welt von Morgen wird vernetzter. Wie sehen vernetzte Dienste von morgen aus, und wie werden sie fair und transparent verrechnet? Das war die Frage, die wir uns gestellt haben. Und dann wurde uns klar, dass man noch einen größeren Mehrwert in der transformierten Zukunft generieren kann, wenn man Dienstleistungen miteinander verbindet – also einen Cross Market Place einrichtet. Daher unser Name. Belohnung in Form von Rabatten oder Zusatzkäufen ist bei uns die eine Variante. Aber auch nachträglich, bei spontanen Käufen, sollen die Menschen einen Benefit bekommen können. Dabei muss man die Kundinnen und Kunden abholen und die Dinge nutzen, die sie schon gewohnt sind. Wir nehmen das, was schon da ist, und schließen die Lücke zu einem guten Erlebnis.

Welche Unternehmen sind Ihre Zielgruppe und wie trägt Ihr System zur Transformation der Mobilitätswirtschaft bei?

Müller: Wir sind nicht explizit auf eine Branche beschränkt und bieten sowohl KMU als auch den „großen Playern“ unsere Dienstleistungen an. Wir arbeiten also diskriminierungsfrei. Aber viele haben mit Energie und/oder E-Mobilität zu tun. Wenn ein Unternehmen beispielsweise Firmenladesäulen betreibt und die Ladevorgänge seiner Besucher abrechnen oder dem Nachbarn eine separate Rechnung schicken will, da kommen wir ins Spiel. Oder wenn der Zoo die Busfahrkarte gleich mitverkaufen möchte, dann kauft der Zoo über uns das Busticket. Jeder behält sein System, da kommt dann nur eine Schnittstelle rein. Andersherum, mit einem zentralen System, an das sich die anderen anpassen müssen, würde es nicht funktionieren. Ergänzend bieten wir auch eine Energievisualisierung an, die sehr breit anwendbar ist – um für das Thema zu sensibilisieren. Wer CO2-Ausstoß, Energieverbrauch oder ähnliches darstellen möchte, bekommt von uns ebenfalls eine Lösung, die das sehr einfach darstellt.

Welche sind denn momentan die größten Herausforderungen?

Müller: Eine große Herausforderung ist die schnelle Entwicklung des Marktes. Das ist wie damals, als es die ersten Internetprovider gab. Die Leute und Firmen wussten nicht, was wird sich durchsetzen und was braucht mein Unternehmen. Aus unserer Sicht ist es wichtig zu versuchen, eine allgemeine Richtung zu finden und nicht für jedes Projekt etwas Individuelles zu machen. Wir kommen mit einer Toolbox und im Gespräch mit den Kunden schärft sich das Profil. Die Kunst ist, als kleines Startup bescheiden und lösungsorientiert zu bleiben und sich auch immer wieder zu hinterfragen. Unser großer Wettbewerbsvorteil ist, dass wir bill-X haben. Ohne die Mutterfirma müsste ich erstmal investieren, um die Basissoftware zu entwickeln und noch die CMP-Produkte obendrauf. So können wir uns auf die Konfigurationen konzentrieren. Als Startup hat man jedoch natürlich nur sehr begrenzte Ressourcen und muss sich gut überlegen, wie man den Kapitalbedarf deckt. Sich bei Zuschüssen und Förderprogrammen zurechtzufinden, ist für kleine Unternehmen schwierig. Das müsste transparenter sein. Netzwerke, Hinweise und ein persönlicher Austausch sind dabei eine gute Unterstützung. Da ist noch Luft nach oben.