Als wichtiger Baustein zum Gelingen der Energiewende wird Wasserstoff immer bedeutsamer. In Walsrode im Heidekreis entsteht eine H2-Tankstelle für Busse, Lkw und Autos in Stade wurde vor kurzem die Weltpremiere eines „Wasserstoff Zero Emission Trucks“ gefeiert, die Unternehmerverbände Niedersachsen erarbeiten einen digitalen Wasserstoff-Branchenführer. Das sind nur ein paar Beispiele dafür, wie Wasserstoff gerade hochläuft.

Niedersachsen hat beste Voraussetzungen für den Aufbau einer grünen Wasserstoffwirtschaft. Das Gelingen der Transformation hängt jedoch ganz wesentlich von gut qualifizierten Fachkräften ab, meint auch Gunda Fahrenkrog, die seit Anfang Juni im Bereich Mobilität und Energie im Innovationszentrum Niedersachsen (IZ) als Themenmanagerin für Wasserstoff tätig ist. Wie steht es um die Qualifizierung und Ausbildung von Mitarbeiter/-innen in Unternehmen, die die neue Technologie alltäglich einsetzen und handhaben sollen? Was müssen Mitarbeiter/-innen in der Produktion zukünftig beherrschen? Wie kann Personal in Fachwerkstätten geschult werden? Was ist bei der Nutzung von H2-Fahrzeugen zu beachten?

Diese Fragen standen am 5. Juli 2022 beim 2. Dialogforum Fachkräfte Wasserstoff im Mittelpunkt, das auf dem „Wasserstoff-Campus“ des Bosch-Betriebsgelände in Salzgitter stattfand. Im Besonderen ging es hier um die Qualifzierung von Fachkräften in der Industrie. Der Eindruck der IZ-Themenmanagerin, die an den Vorträgen und dem anschließenden Austausch vor Ort teilnahm: „Wichtig ist die lokale Verankerung, eine gute und breite Vernetzung in der Region und über diese hinaus. Der Austausch ist wichtig, denn konkrete Fragestellungen und welche Fachkompetenzen fehlen, ergeben sich meist erst aus der H2-Anwendung. Daraus können dann Lernkonzepte entwickelt werden.“

Gemeinsam den Herausforderungen widmen

Neue Kompetenzen sind also gefragt. Dass sich diese aus der praktischen Erfahrung im experimentellen Umfeld ergeben, sieht auch Christoph Imdahl vom Fraunhofer-Institut für Schicht- und Oberflächentechnik (IST) so, und misst der Kooperation von Wissenschaft und Industrie sowie der Bündelung von regionaler Expertise eine große Bedeutung bei.  So habe sich in seinem Institut mit dem TÜV eine Kooperation entwickelt, die eine Weiterqualifzierung von Fachkräften in zwei Lern-Modulen (e-learning, Präsenz) anbietet. Bei erfolgreicher Teilnahme werde der Titel „Fachkundige*r Wasserstoff mit TÜV Rheinland geprüfter Qualifikation“ verliehen.

Die Teilnehmer/-innen des 2. Dialogforums Fachkräftebedarf Wasserstoff | Industrie in Salzgitter

(Bild: Allianz für die Region)

Konkrete Lösungsansätze aus verschiedenen Unternehmen

Mit Martin Zapper von der Salzgitter AG, Marleen Marks von der HAzwei GmbH, und Stephan Prigge, Leitung Vertrieb beim Ventilhersteller und Automobilzulieferer nass magnet GmbH, legten drei sehr unterschiedliche Unternehmen ihre Herausforderungen aus der Transformation dar.

Emotionale Bindung ans Unternehmen festigen

Seinem Unternehmen sei es wichtig, die emotionale Verbundenheit der Mitarbeiter/-innen zu ihrem Arbeitgeber auch in der anlaufenden Transformation zu erhalten und zu festigen, erläuterte Martin Zapper von der Salzgitter AG. Jungen Leuten solle signalisiert werden, dass sie gebraucht werden. Ebenso müsse dafür gesorgt werden, dass langjährige Mitarbeiter/-innen ihr Erfahrungswissen weitergeben. Dies sei ein Teil der Transformationsstrategie „Salzgitter 2030“. Diese sieht auch strategische Partnerschaften mit anderen Unternehmen vor.

Die HAzwei GmbH will mit Elektrolyseuren die Erzeugungskapazität von Wasserstoff ausbauen und den Transport zu Abnehmern und Tankstellen organisieren, berichtete Marleen Marks von ihrem noch jungen und wachsenden Unternehmen.  Sie sieht ebenfalls den Erfolg in Partnerschaften und in der Fachkräftequalifzierung. Dafür müssten keine neuen Ausbildungsberufe erfunden werden. Vielmehr müssten bestehende Ausbildungsberufe um neue Fach-Komponenten erweitert werden.

Mittelständler brauchen Unterstützung

Aus der Sicht eines mittelständischen Unternehmens wies Stephan Prigge von der nass magnet GmbH darauf hin, dass es nach seinem Eindruck in Niedersachsen grundsätzlich genügend Ingenieure für die Entwicklung von Wasserstoff-Technologien gebe.  Aus seiner Erfahrung zeige sich der Fachkräftemangel in den Ausbildungsberufen der Bereiche Betrieb, Prüfen und Testen.  Auch im Vertrieb würden Mitarbeiter/-innen gebraucht, die fachlich gut geschult sind. Er erläuterte, dass mittelständische Unternehmen nicht grenzenlos investieren und jede Entwicklung mitmachen könnten. Ressourcen seien begrenzt, deshalb könne man nicht auf jede Entwicklung setzen, um hinterher festzustellen, dass diese nicht längerfristig marktgängig war. Er wünsche sich für anstehende Investitionsentscheidungen mehr Sicherheit und Übersichtlichkeit bei den Rahmenbedingungen.

Transformationsbegleitung der Automotive Agentur

Die Schnelligkeit, mit der der Markthochlauf der Wasserstoffwirtschaft vorangetrieben wird, fordert die Entscheidungsträger in kleinen und mittelgroßen Industrieunternehmen heraus. Dies betrifft in besonderem Maße auch die niedersächsischen Automobilzulieferer. Diese möchte die Automotive Agentur bei der Transformation unterstützen. Sie bringt Wirtschaft, Wissenschaft und Politik im Bereich Wasserstoff zusammen. Übertragbare Beispiele werden dargestellt, so dass andere Unternehmen von den Erfahrungen anderer profitieren können.

 

 

(Teaserbild: AdobeStock/malp)